1. Was ist Sucht?

Der Begriff "Sucht" wurde lange Zeit vor allem mit körperlicher Abhängigkeit von Substanzen gleichgesetzt. Es wird allerdings immer üblicher den Begriff "Sucht" auch auf psychische und soziale Abhängigkeit sowie auf Verhaltensweisen wie Spielsucht, Kaufsucht, Internetsucht usw. auszudehnen.

Um zu vermeiden, dass der Suchtbegriff beliebig verwendet wird, ist es allerdings notwendig, auch in Zusammenhang mit nicht substanzgebundenen Süchten klare Grenzen zu ziehen.

Sucht ist eine diagnostizierbare chronische Erkrankung, die nicht mit "Gewohnheit" oder der natürlichen Abhängigkeit von Nahrung, Kleidung etc. gleichzusetzen ist.

Von Sucht als Erkrankung kann nur gesprochen werden, wenn das zu Grunde liegende Problemverhalten zu einem eigendynamischen, zwanghaften Verhalten wird.

2. Merkmale

Laut World Health Organization (WHO) ist ein Abhängigkeitssyndrom zu diagnostizieren, wenn drei oder mehrere der folgenden Symptome während der letzten zwölf Monate gleichzeitig erfüllt sind:

  • der starke und gelegentlich übermächtige Wunsch oder eine Art Zwang, psychotrope (das heißt die Psyche beeinflussende) Substanzen einzunehmen
  • verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, der Beendigung und der Menge des Konsums
  • ein körperliches Entzugssyndrom bei Beendigung oder Reduktion des Konsums
  • Nachweis einer Toleranz. Es sind zunehmend höhere Dosen erforderlich, um die gleiche Wirkung zu erreichen
  • zunehmende Ausrichtung des Verhaltens auf den Substanzkonsum, fortschreitende Vernachlässigung anderer Interessen
  • fortgesetzter Konsum trotz negativer Folgen wie etwa Leberschädigung durch exzessives Trinken oder depressive Verstimmung


3. Ursachen

Ebenso wie eine Sucht nicht von heute auf morgen entsteht, gibt es auch nicht nur einen Grund für eine Suchtentstehung. Die Ursachen sind immer komplex, verschiedene Einflüsse und Faktoren spielen zusammen und die Entwicklung einer Suchterkrankung ist als ein dynamischer Prozess zu sehen, der nicht linear verläuft.

Als Erklärungsmodell wird oft das Ursachendreieck verwendet. Dieses Modell erklärt die Suchtentwicklung aus dem Spannungsfeld zwischen Person (Geschlecht, Gewicht, psychische Verfassung etc.), sozialem Umfeld (Zugehörigkeit, gesellschaftliche Werte, gesetzliche Bestimmungen etc.)  und Substanz bzw. Verhalten (Eigenschaften der Substanz, was wird konsumiert, wie, wie oft oder Eigenschaften von Glückspiel, Sportwetten, Automaten etc.) Bei der Entstehung von Sucht sind immer alle drei Dimensionen beteiligt.

Die Suchtentwicklung ist nicht aus einem einfachen Ursache-Wirkungszusammenhang der einzelnen Faktoren zu erklären. Dieser Prozess erfolgt nicht von heute auf morgen. Jede Sucht hat eine Geschichte bzw. ist das Resultat einer jahrelangen Entwicklung, die meist im Verborgenen bleibt und vielfach unbemerkt mit dem Ausweichen vor unangenehmen Situationen beginnt.

Präventionsarbeit erfordert dort anzusetzen, wo die Ursachen für das Suchtverhalten liegen - bei den Schwierigkeiten im Alltag, bei der Persönlichkeit des Menschen, bei den Einflüssen aus und in der Gesellschaft (z.B. Normen, Gesetze) und bei den Suchtmitteln bzw. beim Verhalten.