Alkoholkonsum in Österreich

Beim Feiern, beim Fortgehen, beim Trauern, beim Sport - keine andere verhaltensverändernde Substanz ist so verfügbar wie Alkohol.

1 Million Österreicherinnen und Österreicher haben ein problematisches Trinkverhalten
Nur rund eine/r von fünf Befragten lebt ohne Alkohol oder trinkt nicht mehr als maximal fünf Mal pro Jahr. Mehr als die Hälfte der Österreicherinnen und Österreicher gibt einen geringen Alkoholkonsum an – wobei auch hier die Grenzen sehr eng gesteckt sind:

Geringer Alkoholkonsum bedeutet weniger als ein großes Bier (für Frauen) und höchstens knapp zwei Achtel Wein pro Tag (für Männer). 14 % der Menschen in Österreich, also mehr als jede bzw. jeder siebte, haben einen problematischen Konsum, der längerfristig deutlich gesundheitsgefährdend ist.

Der Durchschnittskonsum nimmt in Österreich mit dem Alter zu. Die gefährdetste Altersgruppe sind die 50- bis 60-Jährigen. Eine/r von fünf Menschen dieser Altersgruppe trinkt in einem Ausmaß, das eindeutig gesundheitsgefährdend ist – also mehr als  zwei 1/4 Gläser Wein (Frauen) bzw. mehr als drei 0,5 Liter Bier (Männer) pro Tag.

Wer konsumiert?

Beim Alkoholkonsum lässt sich ein deutlicher Unterschied zwischen Frauen und Männern feststellen.

Seit 1994 konnte ein leichter Rückgang der beiden stärksten Konsumgruppen (problematischer und mittlerer Alkoholkonsum) festgestellt werden. Dementsprechend gab es eine leichte Zunahme der Menschen, die dem niedrigen Konsum zugeordnet werden. Die durchschnittliche Alkoholkonsummenge ist in Österreich seit den 1970ern rückgängig. Während bis Anfang der 1990er nur eine leichte Abnahme zu verzeichnen war, ist seit 1993 ein kontinuierlicher und anhaltender Rückgang des Durchschnittskonsums zu erkennen. Österreich liegt mit einem Konsum von 11,6 Litern reinem (!)  Alkohol pro Jahr und Kopf jedoch immer noch unter den „Top 15“ der am meisten konsumierenden Länder in Europa (2016).

Besonders signifikant ist der Unterschied zwischen Männern und Frauen: Frauen sind doppelt so häufig abstinent wie Männer. Männer hingegen haben doppelt so häufig einen problematischen Konsum wie Frauen. 

Alkohol und Jugendliche

Regelmäßiger Alkoholkonsum beginnt oft bereits im Jugendalter und beeinflusst damit das weitere Leben.

Alkohol hat Einfluss auf körperliche Entwicklungsprozesse von Jugendlichen
Studien zeigen, dass das jugendliche Gehirn wesentlich empfindlicher auf Alkohol reagiert als das erwachsene. Auch das Knochenwachstum kann durch Alkoholkonsum im Jugendalter beeinträchtigt werden. Zudem fehlt Jugendlichen die Erfahrung im Umgang mit Alkohol: Sie wissen noch nicht, wie viel sie vertragen und haben ein höheres Risiko ihren Konsum zu unterschätzen und eine Alkoholvergiftung zu erleiden.

Je später Menschen anfangen zu trinken und je früher sie einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol erlernen, desto weniger gefährdet sind sie.

Burschen trinken etwas mehr als Mädchen
16 % der Schülerinnen und Schüler zwischen 11 und 17 geben an, mindestens einmal pro Woche Alkohol zu trinken. Dies trifft auf Burschen (19,4 %) etwas häufiger zu als auf Mädchen (13,6 %). Mädchen tendieren eher dazu,  Alkohol monatlich oder seltener zu trinken.

Der wöchentliche  Alkoholkonsum nimmt mit dem Alter deutlich zu, wobei in allen Altersgruppen mehr Burschen als Mädchen wöchentlich Alkohol trinken. Auch die wöchentlich konsumierte Menge an Alkohol steigt mit dem Alter.

Jugendliche trinken immer weniger
Erfreulich ist, dass der Alkoholkonsum unter Jugendlichen in den letzten Jahren zurückgegangen ist. Seit dem Jahr 2002 nimmt der Anteil an SchülerInnen, die wöchentlich alkoholische Getränke konsumieren, kontinuierlich ab.

Rauscherfahrungen und Jugend
In etwa jede/jeder dritte bis vierte Jugendliche gibt zu, bereits einmal im Leben betrunken bzw. stark berauscht gewesen zu sein. Jede/r fünfte bis sechste behauptet, in den letzten 30 Tagen betrunken gewesen zu sein. Zu denken geben sollte uns, dass die Rauscherfahrungen schon sehr früh beginnen: Bereits 35% der 14-Jährigen geben an, schon mindestens einmal im Leben stark berauscht gewesen zu sein, bei 14 % war das  innerhalb der letzten 30 Tage der Fall. Die hohen Zahlen lassen sich dadurch erklären, dass Jugendliche im Umgang mit Alkohol unerfahren  und deshalb besonders gefährdet für Überdosierungen sind. Daher spielen Information und Aufklärung bei der Präventionsarbeit mit Jugendlichen eine wichtige Rolle.

Jugendschutz
Ein frühzeitiger Konsumbeginn geht mit einer höheren Wahrscheinlichkeit einher, alkoholassoziierte Probleme im Erwachsenenalter zu entwickeln. Kinder und Jugendliche brauchen deshalb glaubwürdige, erwachsene Vorbilder, klare und konsequent eingehaltene Jugendschutzbestimmungen, altersadäquate, sachliche Informationen zum Thema Alkohol und Präventionsprogramme, die einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol fördern.

Der Jugendschutz zu Alkohol ist in den österreichischen Bundesländern seit 2019 einheitlich geregelt.

Alkohol in der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft Alkohol zu trinken kann pränatale Schädigungen verursachen.

Die Fetal Alcohol Spectrum Disorder (FASD), wie der Überbegriff für alle durch Alkohol in der Schwangerschaft verursachten  vorgeburtlichen Schädigungen in der Medizin genannt wird, ist die zählt zu den häufigsten Ursachen für Entwicklungsstörungen bei Neugeborenen und ist die einzige Behinderung, die zu 100 % vermeidbar wäre.

Mögliche Symptome sind beispielsweise ein geringes Geburtsgewicht, körperliche Missbildungen wie Nierenschäden und Herzfehler, sichtbare Auffälligkeiten wie Verformungen im Gesichtsbereich, Verhaltensstörungen wie Ruhelosigkeit, erhöhte Reizbarkeit, erhöhtes Aggressionspotenzial und Defizite in der geistigen Entwicklung wie Konzentrationsschwäche, Lernschwierigkeiten. Zur Verbreitung von FASD liegen aufgrund der schwierigen Diagnosestellung keine genauen Zahlen vor. Es wird aber geschätzt, dass von 1.000 Neugeborenen 10 betroffen sind. Zum Schutz des ungeborenen Kindes sollte jede Frau während der Schwangerschaft völlig auf Alkohol verzichten.

Alkohol und Stillen
Der Alkoholgehalt in der Muttermilch ist  zwar gering, dennoch sollte während der Stillzeit auf Alkohol verzichtet werden. Stillende Mütter sollen beim Stillen nicht beeinträchtigt sein und beide Eltern sollten im Sinne ihrer Vorbildwirkung und im Interesse ihrer Kinder grundsätzlich mit Alkohol verantwortungsvoll umgehen. Das betrifft sowohl Mütter als auch Väter in allen Lebensphasen ihrer Kinder.

Alkohol im Straßenverkehr

Alkohol verringert im Straßenverkehr Ihre Reaktionsfähigkeit. Lassen Sie im Zweifelsfall Ihr Fahrzeug stehen.

Das Problembewusstsein für Alkohol am Steuer ist in den letzten Jahren dank unermüdlicher Aufklärungsarbeit gestiegen: 68% der Bevölkerung stimmen stichprobenartigen Alkoholtests im Straßenverkehr zu. Das ist ein Fortschritt, trotzdem wird Alkohol am Steuer noch von zu vielen Menschen auf die leichte Schulter genommen.

Im Jahr 2018 wurden in Österreich 28.067 Anzeigen wegen Alkohol am Steuer erstattet. Die Zahl der im Straßenverkehr tödlich verunglückten Personen sinkt in Österreich zwar kontinuierlich, aber im Jahr 2018 kamen insgesamt 400 Menschen zu Tode. Alkoholisierung war bei 7,3 % der tödlichen Verkehrsunfälle die vermutliche Hauptunfallursache.

Als gesetzlich vorgeschriebene Höchstgrenze in Österreich gelten 0,5 Promille Alkoholgehalt im Blut.Für Probeführerschein-BesitzerInnen (LenkerInnen, die ihren Führerschein noch keine drei Jahre besitzen) sowie Lkw- und BusfahrerInnen gilt die 0,1-Promille-Grenze. Für RadfahrerInnen gelten 0,8 Promille.

Alkohol und Arbeitsplatz

Alkohol und andere Suchtmittel am Arbeitsplatz können in jedem Betrieb zum Thema werden – unabhängig von der Branche oder Größe.

Übermäßiger und gesundheitsgefährdender Konsum von Alkohol oder anderen Suchtmitteln beeinflusst die Arbeitsleistung, die Sicherheit und die Gesundheit der MitarbeiterInnen. Die verminderte Leistungsfähigkeit der betroffenen MitarbeiterInnen hat dabei negative Folgen für das gesamte Unternehmen.

Alkohol und Rauchen sind die Hauptursachen suchtbedingter Fehlzeiten. Alkoholkranke sind laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) im Durchschnitt um 25 % weniger leistungsfähig.

  • Der riskante Konsum von Suchtmitteln führt zu mehr Fehlzeiten und häufigeren Krankenständen.
  • Riskant konsumierende MitarbeiterInnen sind bis zu 2,5-mal häufiger krank.
  • Ungefähr jeder vierte Unfall bei der Arbeit und am Arbeitsweg passiert unter Mitbeteiligung von Alkohol, wobei bereits bei geringer Alkoholisierung die Risikobereitschaft steigt.
  •  Der Wert suchtpräventiver Maßnahmen im Unternehmen ist daher mittlerweile unumstritten. Das Augenmerk liegt dabei auf Gesundheit, Sicherheit und Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten.

Auch gesetzliche Grundlagen spielen hierbei eine große Rolle. Die Fürsorge-, Informations- und Kontrollpflicht gilt für ArbeitgeberInnen und die Treuepflicht für ArbeitnehmerInnen.

Wichtige präventive Maßnahmen für Betriebe sind Leitlinien für den Umgang mit Suchtmittelngesundheitsfördernde Maßnahmen und der Abschluss einer Betriebsvereinbarung zum Thema Alkohol und Suchtmittel am Arbeitsplatz inklusive Vorgehen nach einem Stufenplan. Diese regelt die Vorgangsweise im Anlassfall und den Konsum von Alkohol und anderen berauschenden Mitteln im Zusammenhang mit der Arbeitsleistung.

Interessierte Betriebe erhalten Beratung und Informationen in den regionalen Fachstellen.

Soziale Auswirkungen

Vor allem Kinder leiden sehr unter Eltern, Erziehungsberechtigten und Familienmitgliedern, deren Alkoholkonsum problematisch ist.

Ungefähr 10 % aller Kinder und Jugendlichen in Österreich leben in einem Haushalt mit mindestens einem alkoholabhängigen Elternteil. In etwa jede zweite minderjährige Person ist mit einem problematischen Alkoholkonsum der Eltern oder der weiteren Familie konfrontiert. Die familiäre Atmosphäre ist geprägt von Anspannung, Unberechenbarkeit, Willkür, oft Vernachlässigung und vielleicht sogar Gewalt.

Kinder kümmern sich um Geschwister oder suchtkranke Elternteile, Scham führt zu sozialer Isolation. All dies erschwert die gesunde Entwicklung von Kindern und führt dazu, dass Kinder aus alkoholbelasteten Familien ein bis zu sechsfach erhöhtes Risiko haben, später selbst eine Suchterkrankung zu entwickeln.

Gesundheitliche Auswirkungen

Menschen mit problematischem Alkoholkonsum schädigen nicht nur sich selbst – sondern auch ihr Umfeld.

Es ist nicht nur die Leber: Alkohol geht ins Blut - und Blut gelangt überall hin. Dementsprechend ist jedes Organ im Körper der giftigen Wirkung von Alkohol ausgesetzt.

Mehr als sechzig Krankheiten sind nachweislich mit regelmäßig erhöhtem Alkoholkonsum verknüpft: Tumore, Probleme mit dem Kreislaufsystem, höheres Infektionsrisiko, Entzündungen der Bauchspeicheldrüse oder der Magenschleimhaut usw. Die Schäden sind vielfältig.

Für den Körper zählt hauptsächlich die Menge an Reinalkohol, die ihm zugeführt wird. Egal ob durch Bier oder Schnaps.