Machen Sie als Privatperson Alkoholkonsum zum Thema!

Auch im Alltag können Sie dazu beitragen, dass Alkohol nicht zum Problem wird.

  • Sprechen Sie mit Menschen in Ihrem Umfeld über ihren Alkoholkonsum.
  • Vermeiden Sie Vollräusche.
  • Seien Sie jungen Menschen ein Vorbild im Umgang mit Alkohol.
  • Achten Sie auf den Jugendschutz! Kein Alkohol für Jugendliche unter 16, keine Getränke mit gebranntem Alkohol unter 18 Jahren.
  • Üben Sie keinen Druck auf andere aus, Alkohol zu trinken.

Erzählen Sie uns Ihre Geschichte zum Thema „Wie viel ist zu viel?“

Helfen Sie mit, dass in Österreich offen und tabulos über Alkohol gesprochen wird.
Gab es Probleme in Zusammenhang mit Alkohol – für Sie selbst oder in Ihrem Umfeld? Was sind Ihre eigenen Regeln beim Trinken? Wie legen Sie für sich fest, wann es genug ist? Und was ist zu viel?

Einträge geben persönliche Meinungen und Erfahrungen unserer LeserInnen wieder. Danke für Ihren Beitrag!
Wir bitten um Verständnis, dass wir uns gekennzeichnete Auslassungen oder Bearbeitungen vorbehalten.

René
10.04.2019

Mein Motto lautet „Nie wieder Alkohol!“

Ich bin seit 15 Jahren verheiratet mit einer wundervollen liebenswerten Frau und habe zwei schulpflichtige Kinder, die mein Ein und Alles sind, 49 Jahre alt, nächsten Monat „feiere“ ich meinen Fünfziger, und bin Alkoholiker, bereits seit ungefähr 30 Jahren.

Ich war also auch schon Alkoholiker, wie ich meine Frau kennenlernte, war zu dieser Zeit aber ziemlich trocken […] Auch in der Arbeit gab es dadurch Probleme, ich hab einen relativ guten Job mit gutem Verdienst, und mir drohte die Kündigung. All das nahm ich zum Anlass, nach Beratung durch den Psychosozialen Dienst den Weg nach Kalksburg (Anton Proksch Institut) anzutreten. Das war eine der besten Entscheidungen in meinem Leben, dort wird einem tatsächlich geholfen. […] Nach Kalksburg war ich 7 Jahre trocken, ich bin viel spazieren gegangen, hab sehr viel über den Alkohol nachgedacht und wie schlecht es mir dadurch gegangen ist, und war glücklich, dass ich es geschafft habe. Die 7 Jahre verdanke ich auch meiner Familie, aber auch dem Psychosozialen Dienst, der mich die ersten beiden Jahre im Rahmen einer Nachbetreuung unterstützte.

Dann kam der verhängnisvolle Urlaub in der Türkei. Immer noch trocken, sagte ich meiner Frau, sie soll sich doch einen Raki bestellen - den kannte ich von einem Urlaub aus der früheren Zeit und der schmeckte mir verdammt gut. Gesagt, getan, der Raki stand auf dem Tisch. Doch meine Frau nippte nur am Glas, er schmeckte ihr nicht, nein, ihr grauste davor. So, und jetzt begann die Misere: Ich dachte, wie kann man nur einen Raki stehen lassen? Ewig schad drum. Und so machte ich mir mit meiner Frau aus, dass ich dieses Glas ausnahmsweise austrinke. Maaah, war das gut, da gehörte noch ein zweiter her. Das wars für diesen Tag, und am Abend hatte ich ein ziemlich schlechtes Gewissen deswegen - die sieben Jahre, auf die ich sooo stolz war, waren unterbrochen bzw. sogar beendet. Am nächsten Tag schmeckte der Raki wieder besonders gut, außerdem kam ich auf die Idee, einen Wein aus der Türkei zu kosten. Den gab es aus der Zapfsäule, also weit weg von der österreichischen Weinkultur, aber egal, es war Alkohol drin. Meiner Frau machte ich verständlich, dass ich nur während des Urlaubs was trinke und in Österreich sofort wieder aufhöre.

Zu Hause angekommen, war ich jetzt aber doch neugierig, wie denn unser Wein, den wir zu Hause hatten, schmeckt. Flasche geöffnet und jaaa, DAS war ein Wein. Es folgte eine Zeit, in der ich Unmengen Wein konsumierte, hauptsächlich gemischt mit Cola, und als Ausrede verwendete ich die Tatsache, dass ich ja vor Kalksburg fast nur Bier getrunken habe und der Wein sicher nicht dieses Problem darstellte, wieder abhängig zu werden. Doch da war ich es schon wieder längst. Es kam der Umstieg aufs Bier, und wenn das nicht reichte, gehörte auch noch der Schnaps dazu. Es war alles wie früher. Ich möchte nicht wissen, wie es meiner Frau dabei ging.

Vor ca. 6 Jahren kam es zu meinem ersten Betretungsverbot. Ursache war körperliche Gewalt in - wie sollte es anders sein - alkoholisiertem Zustand. [Infolge kam es zweimal zu einem Betretungsverbot und schließlich zu einer einstweiligen Verfügung, Anm.] […]Ich hab mich sofort nach der Wegweisung an den Psychosozialen Dienst gewandt, hatte dort bereits meinen ersten Termin, am Montag folgt der zweite, und ich hab vor, deren Hilfe für lange Zeit in Anspruch zu nehmen, ganz einfach, weil ich es dieses Mal wirklich schaffen will. Ich hab heute meinen siebzehnten alkoholfreien Tag, deren sollen noch viele folgen, Tage, Wochen, Monate usw. Ich hab mein Problem sogar meinem Chef geschildert und ihn gebeten, ab und an ohne Vorwarnung meine Tasche bzw. meine Büromöbel zu kontrollieren, sodass ich gar nicht erst auf die Idee komme, wieder Alkohol in die Arbeit mitzunehmen, was ich nämlich auch täglich tat. Ich bin sehr froh, dass ich so einen Chef hab, er hat das nämlich für gut geheißen und mir Alles Gute gewünscht. Für alle, die das lesen und bis jetzt durchgehalten haben: Es geht, man kann aufhören, und es geht einem tatsächlich besser. Ich merke es an mir selbst. […] Ich habe zwei große Ziele: Das erste ist, dem Alkohol für immer den Rücken zu kehren, und sollte ein Rückfall eintreten, was leider verdammt schnell passieren kann, sofort danach ärztliche Hilfe aufsuchen. Das zweite wichtige Ziel ist, meine Familie zurückzugewinnen und für immer zu halten. Ich liebe meine Familie, ich möchte nicht ohne sie sein, doch das kann nur ohne Alkohol funktionieren. Vielleicht schafft es der eine oder andere, aus heiterem Himmel aufzuhören, ich habe es nie länger als ein paar Tage, max. eine oder eineinhalb Wochen geschafft. Ich brauche einfach immer einen Tritt in den A… - dann funktioniert es aber. Wobei ich dazu sagen muss, ich bin überzeugt, dass ich es dieses Mal schaffe, ich hoffe es zumindest ganz stark und hoffe, dass meine Familie mir verzeiht und wir eine gemeinsame Zukunft haben. OHNE ALKOHOL!!! Der Vollständigkeit halber: Mein Alkoholkonsum betrug in den letzten Monaten 9 bis 10 Bier am Tag, dazu wurde eine 1l-Flasche Schnaps in 3 bis 4 Tagen geleert.

Liebe Grüße und Alles Gute an alle, die das gelesen haben und denen es ähnlich geht wie mir!

Sabine
18.03.2019

Meine Familie wurde fast auf Grund von Alkohol zerstört.

Mein alleinerziehender Vater war mit der Situation völlig überfordert. Unter Tags achtete er darauf, dass er funktionierte, während er sich abends die Sorgen wegtrankt. Die Bierdose war sein treuer Freund, während er sich vom Rest der Welt abschottete. Ohne Bier ging bald nichts mehr.
Es kam zu zahlreichen schlimmen Situationen: Alkohol am Steuer, Gewalt- und Aggressionsausbrüche, Verabsäumen von wichtigen Terminen, Rechnungen, ect. Das Leben meiner Familie stand am Abgrund.

Ein Unfall öffnete meinem Vater die Augen. Er erkannte, dass er seine Kinder und sein Leben verlieren würde, sollte er so weitermachen. Er fasste Mut und machte eine dreimonatige Therapie. Dank Mut, Stärke und großer Liebe zu uns Kindern, schaffte er, was viele für unmöglich hielten. Heute sind wir eine glückliche, alkoholfreie Familie.
Das Trauma "Bierdose" allerdings steckt noch tief in mir.
Für mich ist es abscheulich, in welchem Ausmaß, wie häufig und mit welcher Selbstverständlichkeit in Österreich Alkohol konsumiert wird. Besonders schrecklich ist es, dass diejenigen, die nicht mit konsumieren, sich ständig rechtfertigen müssen, schief angeschaut werden oder mit allen Mitteln überredet werden wollen.
Wir sind stolz darauf, dem Alkohol den Rücken gekehrt zu haben. Und wir haben ein gutes Gewissen dabei, unseren Gästen Wasser, Tee und selbst gepressten Apfelsaft anzubieten.

Andrea, Lehrerin

Lange habe ich nicht besonders über Alkoholkonsum und seinen Stellenwert in unserer Gesellschaft nachgedacht. Das hat sich geändert als ich im Ausland mit Deutschunterricht begonnen habe. Plötzlich fiel mir auf, wie viele Dialoge und Lektionen in Lehrwerken für Erwachsene insbesondere zum Thema Kennenlernen und Kontakt ums Thema Alkohol kreisen. Das kam mir in Ländern, in denen Alkohol offiziell tabu ist, geradezu grotesk vor. Als wären Österreich, Deutschland und die Schweiz nur von Trinkern bewohnt und Alkohol der zentrale Schlüssel zur Interaktion!
Ich finde, dass man die selbstverständliche Akzeptanz von Alkoholkonsum in unseren Breiten hinterfragen kann und soll. Deshalb begrüße ich diese Aktion.

Till Raether, Journalist
02.06.2017

Eines Tages bekam ich ein massives Alkoholproblem. Es bestand darin, dass ein guter Freund mit mitteilte, er würde von jetzt an auf Alkohol verzichten. Erst mal kriegte ich einen Schreck, weil ich in Sorge war. Wenn wir uns trafen, tranken wir immer Rotwein und es war schön. Wie würde es ohne Rotwein werden? Und dann bekam ich einen zweiten Schreck, weil ich überhaupt einen ersten bekommen hatte. Es ist gesund, nichts zu trinken… Ich kenne mir eng verbundene Menschen, die der Alkohol fertig gemacht hat. Tragödien, deren Treibstoff Alkohol war.

Was liebe ich also wirklich so am Alkohol? Indem ich trinke, markiere ich einen Übergang. Von der Arbeit in den Feierabend. Vom Alltäglichen ins Feierliche. Oder eben vom Netten ins Freundschaftliche, Unkontrollierte, Offene. Vom Distanzierten in die Nähe. Der Alkohol verursacht in mir eine Veränderung, die mir signalisiert: Jetzt beginnt etwas Neues. Alkohol ermöglicht und feiert diesen Übergang zugleich.

Mein Glück ist vielleicht, dass ich nicht allein trinke, nie. Ich bin meinem Freund dankbar: Sein Verzicht hat mich gezwungen oder eingeladen, über mich und mein Trinken nachzudenken. Ich weiß mehr über mich und dass ich aufpassen muss. Ich würde gern mit ihm anstoßen auf diesen Übergang, aber es geht auch so.

Angelika, Wien
22.05.2017

Ich finde es toll, dass diese Dialogwoche stattfindet!

Ich betreibe ein mexikanisches Lokal im 6. Wiener Gemeindebezirk: viele Leute sind ganz ungläubig, dass ich keinen Alkohol ausschenke. Einige verlangen gar, dass das angeschrieben werden müsse! Ich habe zu viele Leute am Alkohol zu Grunde gehen sehen - direkt und indirekt. Ich hoffe, dass ich etwas beitragen kann zur Aufklärung, wenn wieder einmal ein Paar hereinkommt und einer der Partner regelrecht aggressiv reagiert wenn er erfährt, dass es keinen Alkohol gibt: was oft zu überraschen Reaktionen beim anderen Partner führt. Oder bei einem Tisch von Jugendlichen an dem ein Mädel es offenbar für ganz normal hielt, dass sie wenn sie den ganzen Tag keinen Alkohol getrunken hatte unbedingt noch etwas trinken musste zu Hause - in diesem Fall wurde jedenfalls in der Freundengruppe darüber geredet, dass das keinesfalls normal ist.

Auch wenn es finanziell nicht leicht ist und immer wieder Tische gehen deshalb: ich stehe zu meiner Entscheidung. Alkohol ist ein Genussmittel - wenn man ohne nicht kann, dann ist schon das erste Glas zu viel! Danke für eure Aktionen!

Ella, Wien
18.05.2017

Aufgrund meines Berufs in Kultur und Gastroszene habe ich sehr leichten Zugang zu Alkohol und erlebe maßloses Trinken sehr häufig. Ich persönlich trinke seit langer Zeit nurmehr 1-2 Gläser, nehme mir 2 "freie Tage" in der Woche und lebe in der Fastenzeit abstinent. Ich gebe zu, es fällt nicht immer leicht. Der Druck in der Gesellschaft ist hoch. Aber ich habe gelernt auf meinen Körper zu hören und dieser dankt es mir.

 

Anonym

Folgende Geschichte, die mir eine Mutter erzählte: Alle Freunde und Freundinnen der Tochter feiern jetzt in diesem Jahr den 16. Geburtstag (16 nicht 18). Da werden viele gemeinsame Geburtstagsfeiern vereinbart und die Eltern aller (ALLER) Freunde und Freundinnen haben dafür eingekauft: Bacardi, Vodka, Gin,…  Alkopops sowieso. Auch harte Getränke sind dabei, weil die Burschen trinken schon mal ein bisschen was und es ist ja schließlich Geburtstag. Bis dato waren das 12 Geburtstagsfeiern, einige folgen noch bis Schulschluss. Die Mutter will nicht jedes Mal verbieten, dass ihre Tochter dabei ist, sie hat jeden Elternteil darauf angesprochen, dass dieser Alkohol erst ab 18 erlaubt ist. Alle fanden es normal. Sie hofft, dass ihre Tochter nicht zu viel davon erwischt…

Wie viel ist zu viel? Eltern sein ist echt nicht leicht! Manche machen es sich sehr leicht.

Anonym

Ich bin 57 Jahre alt, verheiratet und habe 3 Erwachsene Kinder, und seit über 4 Jahren "trockene Alkoholkranke". Ich habe mindestens über 10 Jahre heimlich getrunken. Wenn es nicht Allen aufgefallen ist, aber meiner Familie blieb es nicht verborgen. Mein Mann litt am meisten darunter! Ich wusste, dass es so nicht weiter gehen kann, und dass ich ohne Hilfe dieses Problem nicht schaffe. Mit viel Glück fand ich in Lienz eine Selbsthilfegruppe, die mich aus der "Hölle Alkohol" rettete. Seither besuche ich fast jedes Meeting, und ich habe die "bessere Seite des Lebens" kennengelernt!

Gerhard, Oberösterreich

Meine geschichte mit Alkohol. Geboren und aufgewachsen bin ich im Mühlviertel. Meinen ersten Rausch hatte ich mit zwölf Jahren. Das Verlangen nach Alkohol war damals schon sehr groß. In meiner Lehrzeit hatte ich wenig Gelegenheit zu trinken, da mein Chef sehr streng war.
Nach der Lehre darf man offiziell trinken, das nutzte ich oft und reichlich. Wechselte oft die arbeit,war auch LKW-Fahrer und trank auch zu dieser Zeit viel. Die Folge war, dass mir viermal der Führerschein entzogen wurde. Wieder ein Arbeitsplatzwechsel,damals glaubte ich den Alkohol im Griff zu haben,trank oft einige Wochen wenig oder nichts.

Durch Überlastung und Schlafprobleme begann ich wieder große Mengen zu trinken... Nach zehn Jahren in dieser Firma kündigte ich und war ab dieser Zeit täglich stark betrunken und fix und fertig. Nach einem halben Jahr wurde dieser Zustand durch einen Krankenhausaufenthalt (unfreiwillig) beendet,ein Arzt überzeugte mich eine Entwöhnung zu versuchen,welche ich sehr ungern begann und auch für aussichtslos hielt.

Ich war über fünfundzwanzig jahre dem Alkohol verfallen – heute bin ich 64 Jahre alt und seit 21 Jahren trocken!

 

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