Suchtprävention verfolgt die generelle Zielsetzung, die Gesundheit von Menschen zu fördern und eine mögliche Entwicklung einer Abhängigkeitserkrankung zu verhindern.

Dafür ist es erforderlich, Gefahren, die zu einer Abhängigkeit führen können, möglichst früh zu erkennen und rechtzeitig zu intervenieren.

Suchtprävention (im Kontext Alkohol) zielt in erster Linie darauf ab, dass das  Konsumverhalten von Menschen keine problematischen bzw. gesundheitsschädlichen Auswirkungen hat beziehungsweise nicht zu einer Abhängigkeitserkrankung führt.  Um diese Zielsetzungen zu erreichen, gibt es verschiedene Möglichkeiten und Herangehensweisen.

In der Präventionsarbeit unterscheidet man die Aufgabenfelder universelle, selektive, indizierte Prävention sowie Verhältnisprävention. Diese Einteilung unterscheidet danach, ob sich Präventionsmaßnahmen an die Person oder die Umwelt der Person richten.

Verhaltensprävention zielt auf eine Verhaltensänderung der eigentlichen Zielperson bzw. Personengruppen ab. Sie sollen bestimmte Kenntnisse, neue Erfahrungen oder spezifische Ressourcen vermittelt bekommen und eine Veränderung des Verhaltens soll bewirkt werden.

Verhältnisprävention zielt auf eine Veränderung der strukturellen Rahmenbedingungen wie zum Beispiel Lebens-/Arbeitsbedingungen oder gesetzliche Bestimmungen ab. Mit den entsprechenden Maßnahmen wird bei den Umweltbedingungen und Strukturen angesetzt.

Am effizientesten bzw. nachhaltigsten ist es, wenn Maßnahmen der Verhaltens- und Verhältnisprävention kombiniert werden, da damit die besten Effekte erzielt werden können.

Zeitgemäße Suchtprävention trifft in Anlehnung an das USA Institute of Medicine (1994) eine Einteilung, mit der eine inhaltliche Präzisierung in Bezug auf die Zielgruppen ermöglich wird:

Universelle Prävention richtet sich an die allgemeine Bevölkerung bzw. Bevölkerungssegmente ohne erkennbares Risikomerkmal. Dazu gehören zum Beispiel massenmediale Kampagnen, die Arbeit mit Kindergartengruppen oder mit Schulklassen.

Selektive Prävention richtet sich an definierte Gruppen. In der Regel sind diese Personen gesund und unauffällig. Die Wahrscheinlichkeit, eine Abhängigkeitserkrankung zu entwickeln, ist bei ihnen jedoch aufgrund empirisch bestätigter Belastungsfaktoren erhöht (z.B. Kinder aus suchtbelasteten Familien, Jugendliche mit Schulproblemen, MigrantInnen, armutsgefährdete Jugendliche, erwachsene Menschen in (psychisch) belastenden Situationen / Lebensphasen / Arbeitsverhältnissen).

Indizierte Prävention richtet sich an Personen mit bereits manifestem Risikoverhalten, die aber noch nicht die diagnostischen Kriterien einer Abhängigkeitserkrankung erfüllen (z.B. Personen, die an Wochenenden exzessiv Alkohol trinken).

Schutz- und Risikofaktoren

Ansatzpunkte für die vorbeugende Arbeit im Sinne moderner Suchtprävention sind die Reduktion von Risikofaktoren und die Stärkung der personalen und sozialen Kompetenzen, die bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gleichermaßen Schutzfaktoren darstellen. 

Personale Schutzfaktoren

  • Beziehungs- und Konfliktfähigkeit, Kommunikationsfähigkeiten
  • Realistische Selbsteinschätzung
  • Hohe Eigenaktivität: Alltag gestalten können, sich selbst beschäftigen können
  • Ausreichende Selbstachtung, positives Selbstwertgefühl (sich so annehmen, wie man ist)
  • Vertrauen in die Selbstwirksamkeit: Die Überzeugung, wichtige Ereignisse selbst beeinflussen zu können, sich kompetent zu fühlen, "Ich werde schon fertig mit den Problemen"
  • Bewältigungsstile ("Coping"): Ein aktiver Problembewältigungsstil gilt für die Entwicklung im Jugendalter – im Gegensatz zur Problemvermeidung – als bedeutsam, insbesondere wenn er zur Lösung von Problemen auf soziale Ressourcen zurückgreift.
  • Erfahrung in der Bewältigung von Problemlagen
  • Hoffnungsbereitschaft, Zuversicht: Durchgängige und Misserfolge überdauernde Lebenseinstellung
  • Risikobewusstsein/Risikokompetenz/Mündigkeit: Bescheid wissen über mögliche Risiken.
  • Selbstständige Urteilsbildung, Widerstand gegen Verführung, Kritikfähigkeit
  • Kohärenzsinn: Gefühl des Verankertseins. Personen mit hohem Kohärenzsinn sind in der Lage, ihrem Leben und dem eigenen Handeln einen Sinn zu geben, die Welt als verstehbar zu begreifen, und sie haben das Gefühl, Lebensaufgaben bewältigen zu können.
  • Genuss- und Erlebnisfähigkeit
  • Kognitive Fähigkeiten: Sie sind die Basis, auf der Jugendliche Konflikte und Probleme bewältigen. Dazu gehören u.a. analytisches, differenziertes Denken, Sprachvermögen, Entscheidungsfähigkeit.

Soziale Schutzfaktoren

  • Gutes Verhältnis zu den Eltern/erziehungsberechtigten und anderen Bezugspersonen. (Positive und stabile Bindungserfahrungen, Vertrauen und Unterstützung in schwierigen Situationen)
  • Sozial-emotional günstiges Erziehungsklima, feste emotionale Bezugspersonen
  • Gutes soziales Netz, stabilisierende Freundschaftsbeziehungen (Vertrauen, Unterstützung und Deutungshilfe im Alltag)
  • Förderliches Klima in der Schule, am Arbeitsplatz: Überschaubare Strukturen, angemessene Anforderungen, förderliche Umwelt etc.
  • Zugang zu Information und Bildung
  • Soziale Lage, befriedigende (Entwicklungs)Perspektiven u.a.m.

 

 

Suchtvorbeugende Lebensumfelder

Suchtprävention zeigt Möglichkeiten für die Gestaltung einer suchtvorbeugenden Umgebung auf

Grundsätzlich will die Suchtprävention nicht den Konsum von Alkohol verbieten, sondern dazu beitragen, dass der Konsum nicht zu Problemen führt.

Um dieses Ziel zu erreichen haben zum Beispiel Einschränkungen der Erhältlichkeit von Alkohol, Beschränkungen der Werbung oder auch Besteuerung einen wichtigen Einfluss auf das Konsumverhalten der Menschen. Die österreichische Suchtprävention setzte sich auch dafür ein, dass der Jugendschutz bundesweit vereinheitlicht wurde und fordert weiterhin, dass dieser konsequent kontrolliert wird. (Verhältnisprävention)

Solche strukturellen Maßnahmen müssen auf politischer Ebene umgesetzt werden. EntscheidungsträgerInnen aus allen Politikbereichen sollen daher Entscheidungen danach überprüfen, ob sie der Entwicklung eines verantwortungsbewussten Umgangs mit Alkohol förderlich oder abträglich sind.Daher berät die Suchtprävention EntscheidungsträgerInnen und regt strukturelle Veränderungen an.

Auf kommunaler Ebene wirken förderlich gestaltete Rahmenbedingungen, wie z. B. das Angebot von attraktiven Formen der Freizeitgestaltung für Jung und Alt oder kostengünstige Möglichkeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause zu kommen, suchtpräventiv.

Förderlich gestaltete Rahmenbedingungen in verschiedenen Settings schaffen

Gesetzliche Maßnahmen sollten ergänzt werden mit strukturellen Maßnahmen in den konkreten Lebensumfeldern wie zum Beispiel in der Schule, wo klare Regeln oder ansprechend gestaltete Räumlichkeiten und Außenanlagen suchtpräventiv wirken. Auch die Schaffung eines entwicklungsfördernden, wertschätzenden und kooperativen Schulklimas trägt zur Vorbeugung von Suchtproblemen bei.

Eine verantwortungsvolle Festkultur stärken

Im Sinne einer präventiven und jugendschutzfreundlichen Festkultur sollten LokalbesitzerInnen, Fest-VeranstalterInnen und Vereine soweit sensibilisiert werden, dass sie einen Beitrag zur Förderung eines verantwortungsvollen Umgangs mit Alkohol leisten. Attraktive, kostengünstige, alkoholfreie Alternativen sollten verpflichtend und gut sichtbar angeboten werden, damit jene Personen, die keinen Alkohol trinken möchten, weniger Druck zum Alkoholkonsum ausgesetzt sind und in ihrem Verhalten bestärkt werden. Wir haben Vorschläge für eine verantwortungsvolle Kultur des Feierns  für Sie zusammengestellt.

 

 

Wir informieren Sie

Vielfältige Projekte und Bildungsmöglichkeiten in allen neun Bundesländern

In jedem Bundesland in Österreich gibt es eine Fachstelle für Suchtprävention, welche vielfältige suchtpräventive Angebote und Maßnahmen in unterschiedlichen Handlungsfeldern wie Schule, außerschulische Jugendarbeit, Familie, Freizeit, Gemeinde oder Arbeitswelt und Betrieb anbietet. Sie ist Ihre Anlaufstelle für gelebte Suchtvorbeugung im Alltag.

Zahlreiche Informationsbroschüren zu den vielfältigen Themenbereichen und Zielgruppen der Suchtvorbeugung stehen Ihnen unter dem Kontakt Ihrer regionalen Fachstelle zum kostenlosen Download zur Verfügung bzw. können dort bestellt werden.

Die 9 Bundesländer-Fachstellen sind in der Österreichischen ARGE Suchtvorbeugung zusammengeschlossen.

Um den verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol zu fördern, hat die Österreichische ARGE Suchtvorbeugung 20 Handlungsempfehlungen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol erarbeitet.