Sprechen wir über Alkohol: tabulos, ehrlich, und faktenbasiert

Die Dialogwoche will über Alkohol informieren, zu Gesprächen anregen und motivieren über den eigenen Alkoholkonsum nachzudenken - tabulos, ehrlich, und faktenbasiert. 

Damit das gelingt - bei Veranstaltungen und in privaten Gesprächen – ist diese Seite ihre Quelle für Information und Wissen rund um Alkoholkonsum. 

Selbst wenn Sie glauben "eh schon alles" zum Thema zu wissen – nehmen Sie sich eine Minute und frischen Sie ihr Wissen auf. Die eine oder andere Information oder Statistik wird Sie dennoch beschäftigen.  

Alkoholkonsum in Österreich

1 Million ÖsterreicherInnen haben ein problematisches Trinkverhalten

Beim Feiern, beim Fortgehen, beim Trauern, beim Sport - keine andere verhaltensverändernde Substanz ist so verfügbar, wie Alkohol.

Nur rund eine/r von fünf Befragten lebt ohne Alkohol oder trinkt nicht mehr als maximal fünf mal pro Jahr. Mehr als die Hälfte der Österreicherinnen und Österreicher gibt geringen Alkoholkonsum an – wobei auch hier die Grenzen sehr eng gesteckt sind:

Geringer Alkoholkonsum bedeutet weniger als ein großes Bier (für Frauen) und weniger als eineinhalb Gläser Wein pro Tag (für Männer). Über mittlereren Konsum, je nach Geschlecht zwischen zwei und drei Gläsern Bier pro Tag, berichten rund 14% der Menschen.

Gleich viele, also mehr als jeder achte, hat einen problematischen Konsum, der längerfristig deutlich gesundheitsgefährdend ist. (Strizek/Uhl 2016, S. 38).

Risikogruppen

Risikoarmer, problematischer und abhängiger Alkoholkonsum einfach erklärt

Anders als häufig diskutiert, sind es nicht die Jüngeren, die sich einem Alkoholrisiko aussetzen, sondern in erster Linie die 50- bis 60-Jährigen.

Eine/r von fünf Menschen dieser Altersgruppe trinkt in einem Ausmaß, das gesundheitsgefährdend ist – über zwei 1/4 Gläser Wein bzw. zwei 0,5 Liter Bier pro Tag.

Untersuchungen haben gezeigt, dass der Durchschnittskonsum auch mit zunehmendem Alter zunimmt. (Strizek/Uhl 2016, S. 39f).

Was ist risikoarmer Konsum?

Als „gering“  bzw. „risikoarm“ gilt für Männer ein durchschnittlicher, täglicher Konsum von 24 Gramm (bzw. für Frauen 16 Gramm) Alkohol, also rund 0,6 Liter (0,4 Liter) Bier pro Tag.

Abgesehen von der Menge gilt Alkoholtrinken dann als risikoarm, wenn an die jeweilige Situation angepasst getrunken wird. Dazu gehört auch in bestimmten Situationen und Lebenslagen wie im Straßenverkehr, am Arbeitsplatz oder in der Schwangerschaft auf Alkoholkonsum vollständig zu verzichten.

An mindestens zwei Tagen pro Woche sollte man keinen Alkohol trinken.

Was ist problematischer Konsum?

Als Grenze für problematischen Konsum, ab der ein deutlich erhöhtes Gesundheitsrisiko vorliegt, wird für Männer üblicherweise ein Wert von 60 Gramm Alkohol pro Tag angegeben, für Frauen 40 Gramm. Das entspricht 1,5 (beziehungsweise 1) Liter Bier täglich. Die Mengen für den „problematischen Konsum“ dürfen aber nicht mit einer Abhängigkeitserkrankung gleichgesetzt werden.

Alkoholgebrauch in unangebrachten Situationen wird neben episodischem Rauschtrinken zu den problematischen Konsummustern gezählt. Durch die unmittelbare Wirkung des Alkohols entstehen Risiken etwa am Arbeitsplatz, im Straßenverkehr, während der Schwangerschaft oder bei der gleichzeitigen Einnahme von Medikamenten. Hier stehen neben den Gefahren für die Person vor allem die Risiken für Dritte im Fokus, wie sie durch ein erhöhtes Unfallrisiko oder die Verwicklung in Gewaltsituationen bestehen. 

An mindestens zwei Tagen pro Woche sollte man keinen Alkohol trinken.

Was ist abhängiger Konsum?

Der Übergang von einem problematischen zu einem abhängigen Konsum ist fließend. Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit. Für die Entwicklung einer Alkoholsucht  zählt nicht allein die Menge, sondern weitere von der WHO festgelegte Diagnosekriterien, wenn mindestens drei der angeführten Kriterien während des letzten Jahres auftreten:

  • Sie haben den starken Wunsch, Alkohol zu trinken
  • Sie haben Schwierigkeiten, Ihren Alkoholkonsum zu kontrollieren
  • Sie trinken weiter, obwohl Sie bereits schädliche Folgen spüren
  • Sie vernachlässigen andere Aktivitäten und Verpflichtungen, um zu trinken
  • Sie entwickeln eine Toleranz, d.H. Sie müssen mehr trinken, um den selben Effekt zu haben
  • Sie haben körperliche Entzugssymptome, wenn Sie nicht trinken

So wirkt sich Alkohol auf Ihren Körper aus.

Wer konsumiert Alkohol?

Beim Alkoholkonsum lässt sich ein deutlicher Unterschied zwischen Frauen und Männern feststellen.

In den letzten 20 Jahren konnte ein leichter Rückgang der beiden stärksten Konsumgruppen (problematischer und mittlerer Alkoholkonsum) feststellen. Dementsprechend gab es eine leichte Zunahme der Menschen, die dem niedrigem Konsum zugeordnet werden. Die durchschnittliche Alkoholkonsummenge ist zwar seit 1970 um 20% gesunken, war aber über die letzten 10 Jahre annähernd stabil.

Besonders signifikant ist der Unterschied zwischen Männern und Frauen: Frauen sind doppelt so häufig abstinent wie Männer. Männer hingegen nennen doppelt so häufig problematischen Konsum wie Frauen. (Strizek/Uhl 2016, S. 39f)

 

Alkohol und Jugendliche

Regelmäßiger Alkoholkonsum beginnt oft bereits im Jugendalter. Und beeinflusst damit das gesamte weitere Leben.

Alkohol hat Einfluss auf das Gehirn von Jugendlichen

Studien zeigen, dass das jugendliche Gehirn wesentlich empfindlicher auf Alkohol reagiert als das erwachsene. Je später Menschen anfangen zu trinken und je früher sie einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol erlernen, desto weniger gefährdet sind sie.  

Jugendliche Burschen trinken etwas mehr als Mädchen

Laut den Ergebnissen einer repräsentativen Befragung von österreichischen SchülerInnen im Alter von 11, 13, 15 und 17 Jahren, die im Rahmen der WHO Survey HBSC (Health Behavior of Schoolaged Children) im Jahr 2014 durchgeführt wurde, trinken 16% laut eigenen Angaben mindestens einmal pro Woche Alkohol. Dies trifft auf Burschen (19,4%) etwas häufiger zu als auf Mädchen (13,6%). Der wöchentliche und tägliche Alkoholkonsum nimmt mit dem Alter deutlich zu, wobei in allen Altersgruppen mehr Burschen als Mädchen Alkohol trinken.

Jugendliche trinken immer weniger

Alkoholkonsum ist im Durchschnitt der letzten zehn Jahre mehr oder weniger gleich geblieben - erfreulich ist, dass der Konsum unter Jugendlichen im selben Zeitraum zurück gegangen ist. Seit dem Jahr 2002 nimmt der wöchentliche Konsum alkoholischer Getränke bei SchülerInnen kontinuierlich ab.

 

 Rauscherfahrungen und Jugend

Jede/r dritte SchülerIn gibt in einer Studie aus dem Jahr 2014 zu, bereits einmal im Leben betrunken gewesen zu sein – anders als man es vielleicht erwarten würde gibt es hier keinen Unterschied zwischen Burschen und Mädchen. 

Eine/r von sechs – also rund 15% – geben an, in den letzten 30 Tagen betrunken gewesen zu sein. Zu denken geben sollte uns, dass die Rauscherfahrungen schon sehr früh beginnen: Schon im Alter von 15 Jahren werden Räusche häufiger. (Felder-Puig et al. 2014, S. 48.).

Jugendschutz

Ein frühzeitiger Konsumbeginn geht mit einer höheren Wahrscheinlichkeit einher, alkoholassoziierte Probleme im Erwachsenenalter zu entwickeln. Kinder und Jugendliche brauchen deshalb glaubwürdige, erwachsene Vorbilder, klare und konsequent eingehaltene Jugendschutzbestimmungen, altersadäquate, sachliche Informationen zum Thema Alkohol und Präventionsprogramme, die einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol fördern.

„Der Jugendschutz zu Alkohol ist in den österreichischen Bundesländern unterschiedlich geregelt. Nähere Infos finden Sie hier.

Alkohol in der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft Alkohol zu trinken kann pränatale Schädigungen verursachen.

Die Fetal Alcohol Spectrum Disorder (FASD), wie die Schädigung in der Medizin genannt wird, ist die dritthäufigste Ursache für Entwicklungsstörungen bei Neugeborenen und die einzige Behinderung, die zu 100% vermeidbar wäre.

Geschätzt wird, dass von 1.000 Neugeborenen 10 betroffen sind. Zum Schutz des ungeborenen Kindes sollte jede Frau während der Schwangerschaft völlig auf Alkohol verzichten.

Alkohol und Stillen

Der Alkoholgehalt in der Muttermilch ist  zwar gering, dennoch sollte während der Stillzeit auf Alkohol verzichtet werden.

Stillende Mütter sollen beim Stillen nicht beeinträchtigt sein und beide Eltern sollten im Sinne ihrer Vorbildwirkung und im Interesse ihrer Kinder grundsätzlich mit Alkohol verantwortungsvoll umgehen. Das betrifft sowohl Mütter als auch Väter in allen Lebensphasen ihrer Kinder.

Alkohol im Straßenverkehr

Alkohol verringert im Straßenverkehr Ihre Reaktionsfähigkeit. Lassen Sie im Zweifelsfall Ihr Fahrzeug stehen.

Das Problembewusstsein für Alkohol am Steuer ist in den letzten Jahren dank unermüdlicher Aufklärungsarbeit gestiegen: 68% der Bevölkerung stimmen stichprobenartigen Alkoholtests im Straßenverkehr zu. Das ist ein Fortschritt, jedoch wird Alkohol am Steuer noch von zu vielen Menschen auf die leichte Schulter genommen. 

Im Jahr 2015 wurden in Österreich 26.327 Anzeigen wegen Alkohol am Steuer erstattet. Die Zahl der im Straßenverkehr tödlich verunglückten Personen sinkt in Österreich zwar kontinuierlich, aber im Jahr 2015 kamen insgesamt 475 Menschen zu Tode. Alkoholisierung war bei 3,4% der tödlichen Verkehrsunfälle die vermutliche Hauptunfallursache. (Quelle)

Als gesetzlich vorgeschriebene Höchstgrenze in Österreich gelten 0,5 Promille Alkoholgehalt im Blut. Für Probeführerschein-Besitzer (Lenker, die ihren Führerschein noch keine zwei Jahre besitzen) sowie Lkw- und Busfahrer gilt die 0,1-Promille-Grenze. Für Radfahrer gelten 0,8 Promille.

Alkohol und Arbeitsplatz

Alkohol und andere Suchtmittel am Arbeitsplatz können in jedem Betrieb zum Thema werden – unabhängig von der Branche oder Größe.

Übermäßiger und gesundheitsgefährdender Konsum von Alkohol oder anderer Suchtmittel beeinflusst die Arbeitsleistung, die Sicherheit und die Gesundheit der MitarbeiterInnen. Die verminderte Leistungsfähigkeit der betroffenen MitarbeiterInnen hat dabei negative Folgen für das gesamte Unternehmen.

Alkohol und Rauchen sind die Hauptursachen suchtbedingter Fehlzeiten. Alkoholkranke sind laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) im Durch- schnitt um 25 % weniger leistungsfähig.

  • Der riskante Konsum von Suchtmitteln führt zu mehr Fehlzeiten und häufigeren Krankenständen.
  • Riskant konsumierende MitarbeiterInnen sind bis zu 2,5-mal häufiger krank.
  • Ungefähr jeder dritte Unfall bei der Arbeit und am Arbeitsweg passiert unter Mitbeteiligung von Alkohol oder anderen Suchtmitteln, wobei bereits bei geringer Alkoholisierung die Risikobereitschaft steigt.

 

Der Wert suchtpräventiver Maßnahmen im Unternehmen ist daher mittlerweile unumstritten. Das Augenmerk liegt dabei auf Gesundheit, Sicherheit und Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten.

Auch gesetzliche Grundlagen spielen hierbei eine große Rolle. Die Fürsorge-, Informations- und Kontrollpflicht gilt für ArbeitgeberInnen und die Treuepflicht für ArbeitnehmerInnen.

Wichtige präventive Maßnahmen für Betriebe sind: Leitlinien für den Umgang mit Suchtmittelngesundheitsfördernde Maßnahmen und der Abschluss einer Betriebsvereinbarung zum Thema Alkohol und Suchtmittel am Arbeitsplatz inklusive Vorgehen nach einem Stufenplan.

Diese regelt die Vorgangsweise im Anlassfall und den Konsum von Alkohol und anderen berauschenden Mitteln im Zusammenhang mit der Arbeitsleistung.

Soziale Auswirkungen

Vor allem Kinder leiden sehr unter starken Trinkerinnen und Trinkern.

Übermäßiger Alkoholkonsum wirkt sich auf das Zusammenleben aus – im beruflichen wie auch im familiären Umfeld.

Paarbeziehungen sind stark belastet. Fast jedes vierte Kind in Österreich lebt in einem Haushalt mit einem alkoholabhängigen oder missbrauchenden Familienmitglied. Die familiäre Atmosphäre ist geprägt von Anspannung, Unberechenbarkeit, Willkür, oft Vernachlässigung und vielleicht sogar Gewalt.

Kinder kümmern sich um Geschwister oder suchtkranke Elternteile, Scham führt zu sozialer Isolation. All dies erschwert die gesunde Entwicklung von Kindern und führt dazu, dass Kinder aus alkoholbelasteten Familien ein bis zu sechsfach erhöhtes Risiko haben, später selbst eine Suchterkrankung zu entwickeln.

Körperliche Auswirkungen von Alkohol

Alkoholkranke schädigen nicht nur ihr Umfeld - sondern auch sich selbst

Es ist nicht nur die Leber: Alkohol geht in's Blut - und Blut geht überall hin. Dementsprechend ist jedes Organ im Körper Alkohol als mögliches Gift ausgesetzt.  

Mehr als sechzig Krankheiten sind nachweislich mit regelmäßig erhöhtem Alkoholkonsum verknüpft: Tumore, Probleme mit dem Kreislaufsystem, höheres Infektionsrisiko, Entzündungen der Bauchspeicheldrüse oder der Magenschleimhaut - egal welche Art Alkohol konsumiert wird: die Schäden sind vielfältig. 

Für den Körper zählt hauptsächlich die Menge an Reinalkohol, die ihm zugeführt wird. Egal ob durch Bier oder Schnaps. 


Jede Veränderung beginnt mit dem ersten Schritt.

Oft wissen Menschen nicht - oder wollen es nicht wahrhaben - dass sie oder einer ihrer Lieben ein Alkoholproblem hat.  

Selbst wenn Sie sich nicht sicher sind, ob es schon ein Problem ist oder nicht: Nehmen Sie ein unbürokratisches, anonymes Hilfsangebot an. 

Informationen zu Hilfsangeboten in Ihrer Nähe finden Sie hier.